Ein unterschätzter Baustein für Unternehmenskultur: Wertschätzendes Miteinander-Sprechen

28.10.2019 | Ziele

Das Sprechen-können wird gemeinhin als eines der Merkmale angesehen, die den Menschen vom Tier unterscheidet. Und weil jeder Mensch sprechen kann, wird die Fähigkeit zum Miteinander-Sprechen gleich mit als selbstverständlich angenommen. So als ob man auch Zahnarzt wäre, weil man Zähne hat.

Ein flüchtiger Blick in den Alltag vieler Unternehmen stellt das schnell richtig – wenn man nämlich nach diesen Fähigkeiten sucht:

  • Die Courage, Konfliktthemen offen anzusprechen – statt beleidigt zu schweigen oder zynisch zu nörgeln
  • Die Fähigkeit, Kritik sachlich und klar zu äußern – und nicht nur zu schimpfen
  • Der Wunsch danach, Lösungen zu finden – und nicht Schuldige
  • Das Engagement, sich dann auch für bessere Lösungen einzusetzen – statt darauf zu warten, dass andere das tun

Und je ausgefuchster die Vorstellungen von zeitgemäßer Zusammenarbeit werden (z.B. Agilität, ein sehr ausgefuchstes Modell), desto besser müssten die Menschen im Miteinander-Sprechen werden.

Aber auf diese Fähigkeiten wird bei den Verkündern von New Work oder Agilität selten geachtet. Weil – siehe oben – das ja eh jeder kann. Aber in der Praxis haben die Unternehmen damit zu tun, dass genau dies den Menschen schwerfällt.

„Jetzt redest Du!“

In den perbene-Befragungsprojekten regen wir an, der Mitarbeiterbefragung ein Motto zu geben. Es soll ausdrücken, worum es im Kern bei der Mitarbeiterbefragung geht und worin der Nutzen für die Mitarbeiter liegt. In den Vorbereitungsteams zur Mitarbeiterbefragung verwenden wir angemessen Zeit darauf, eine exakt passende Formulierung für das Motto zu finden.

Ein beliebtes, häufig gewähltes Motto ist „Jetzt redest Du!“

Die Botschaft dieses Mottos ist: Die Mitarbeiterbefragung bietet die Chance zum Reden – zum Miteinander-Sprechen, und das ist offenbar etwas, was den realen Bedarf in den Unternehmen trifft.

Darin liegt ein spontanes Verständnis davon, dass die Fähigkeit zum Miteinander-Sprechen eine Basis-Kompetenz moderner Arbeit ist.

Ein untrügliches Kennzeichen positiver Unternehmenskulturen: Wertschätzendes Miteinander-Reden

In meinem Berufsweg habe ich viele Unternehmen kennengelernt, die nachweislich eine sehr hohe Arbeitsplatzkultur aufwiesen. Mit „nachweislich“ meine ich, dass nicht nur Zertifikate oder Qualitätssiegel davon kündeten oder dass das Management die eigene Unternehmenskultur super fand. Viel wichtiger war, dass auch die Mitarbeiter dieser Meinung waren und von sich aus davon sprachen. Sie waren stolz auf „ihr“ Unternehmen.

Für mich als Gast war das an vielen Stellen in diesen Unternehmen spürbar, oft bereits bei der Ankunft am Empfang, später dann im Gespräch mit „normalen“ Mitarbeitern und an vielen Stellen in den gemeinsamen Projekten. So muss es ja auch sein: Unternehmenskultur ist das, was jeden Tag im Unternehmen passiert. Und das muss ausstrahlen.

Und bei allen Unterschieden hinsichtlich Branche, Größenordnung oder Organisationsstruktur der Unternehmen gab es doch eine Gemeinsamkeit. Alle diese Unternehmen teilten eine besonders hoch entwickelte „Dialog-Kultur“. Das Miteinander-Sprechen hat einen spürbar positiven Charakter.

Und das sind die Merkmale eines wertschätzenden Miteinander-Sprechens:

  • Es wird unbefangen miteinander gesprochen – auch und vor allem zwischen Menschen auf verschiedenen Hierarchieebenen.
  • Es gibt immer wieder Pro- und Contra-Diskussionen. Bis man zu einer Entscheidung kommt, werden viele Aspekte – auch einander widersprechende – erörtert. Es spielt keine Rolle, wer etwas sagt. Der Inhalt zählt.
  • Die Entscheidung, die dann getroffen wird, wird von den Beteiligten leicht angenommen. Denn alle haben das Gefühl, dass alles Wesentliche gesagt und die beste Lösung gewählt wurde.
  • Und nicht zuletzt: Es geht munter zu, es wird immer wieder gelacht. Alle sind entspannt miteinander.

Was immer sonst noch Bestandteil von starken Unternehmenskulturen ist, eine sehr gute Dialog-Kultur gehört immer dazu.

Ein bekanntes Verfahren neu gedacht: Mitarbeiterbefragungen fördern die Dialog-Kultur

Es gibt allerdings ein Handikap: Das Miteinander-Sprechen lässt sich nicht in Seminaren erlernen. Das sind Schwimmübungen auf trockenem Land. Es müssen schon die Live-Bedingungen im Unternehmen sein, unter denen das Lernen stattfindet. Das Miteinander-Sprechen im Unternehmen hat nur eine Chance zum Besser-werden, wenn es innerhalb der gegebenen Strukturen und an den aktuellen Themen stattfindet.

Dennoch sind jetzt nicht komplizierte Organisationsentwicklungs-Programm nötig, um hier weiterzukommen. Denn es gibt ein Verfahren, das den optimalen Rahmen dafür bietet, aber heute selten dafür genutzt wird: die Mitarbeiterbefragung

  • Man kann die Themen auswählen, um die sich das Miteinander-Sprechen drehen soll. Das steuert man über den Fragebogen.
  • Es können sich alle Mitarbeiter beteiligen. Man erreicht jeden.
  • Man kann über den Folgeprozess steuern, wie das Miteinander-Sprechen stattfinden soll. Es soll ja keine „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“-Veranstaltung werden, sondern zu konkreten Verbesserungen im Alltag führen.

Eine solche Mitarbeiterbefragung schafft einen Raum für produktives, wertschätzendes Miteinander-Sprechen. Indem er genutzt wird, wird das Miteinander-Sprechen besser.

Das alles ist gut möglich, wenn man die Mitarbeiterbefragung handlungsorientiert und als Dialog-Instrument einsetzt, und nicht als Sammelwerk für Fragebogen-Statistiken.

Wie das geht, erfahren Sie hier: