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Externe Benchmarks in Mitarbeiterbefragungen: Unnötig oder schädlich

  • Fragebogen

Das Management liebt externe Benchmarks. Bei Mitarbeiterbefragungen tut man sich damit aber keinen Gefallen. Lesen Sie hier warum.

 

Bei Einkaufspreisen, Servicequalität, Stückkosten und vielem anderen unternehmerischen Themen sind externe Benchmarks sehr beliebt. Vergleichszahlen aus anderen Unternehmen oder Branchen orientieren das Management darüber, wie die eigenen Verhältnisse zu beurteilen sind.

Das müsste doch auch bei Mitarbeiterbefragungen passen. Klingt plausibel. Ist es aber nicht. Zwei Beispiele:

  • Ein Baustoffhersteller erhält bei der Aussage „Gute Leistungen werden hier anerkannt“ eine Zustimmungsquote von 42%. Das sei gar nicht so schlecht, hieß es dann, denn in der Branche sei der Benchmark bei 48%. Bei den Mitarbeitern erntete das nur Hohn und Spott.
  • Bei der Aussage „Wir werden hier angemessen bezahlt.“ werden bei vielen Unternehmen kaum Zustimmungen über 60% erreicht. Diese Information bewirkt in der internen Diskussion aber fast nie etwas. Niemand, der mit seinem Einkommen unzufrieden ist, wird zufriedener, wenn andere auch unzufrieden sind.
     

Externe Benchmarks bieten in Mitarbeiterbefragungen keinen Erkenntnisgewinn

Hier sieht man den besonderen Charakter von Mitarbeiterbefragungen. Sie sind zwar ein datengetriebenes Verfahren, aber im Kern sind sie ein Dialoginstrument. Es geht weniger um die Frage „Wie sind die Fakten?“, als um „Versteht ihr, was uns beschäftigt?“ und „Wie kommen wir jetzt weiter?“

Externe Benchmarks liefern daher im Zusammenhang mit Mitarbeiterbefragungen selten einen Erkenntnisgewinn, oft stören sie sogar. Hier einige Fälle aus der Praxis: 

  • Fall 1: Wenn man hat ein höheres Ergebnis hat als die Benchmarks: Sollen wir uns jetzt eine Verschlechterung vornehmen?
     
  • Fall 2: Wenn die Benchmarks niedriger sind als die eigenen Ziele: Sollen wir uns jetzt von den Benchmarks die eigenen Ziele nach unten korrigieren lassen?
     
  • Fall 3: Wenn man selber ein (sehr) niedriges Ergebnis hat: Benchmarks wirken demotivierend. Sie betonen, wie schwach die eigenen Ergebnisse sind. Das weiß man auch so.
     
  • Fall 4: Das eigene Ergebnis und die Benchmarks sind fast gleich: Löst die Fragen aus „Können wir mehr schaffen oder nicht? Sollen wir uns mehr vornehmen oder nicht?“ Die Benchmarks helfen bei diesen Fragen kein Stück weiter.

Es gibt nur einen Fall, in denen Benchmarks nicht stören: Man hat selber ein hohes Ergebnis und die Benchmarks liegen noch höher. Das kann dazu motivieren, sich noch weiter anzustrengen. Aber braucht man dafür die Benchmarks? Wer so viel erreicht hat, der hat doch eh ehrgeizige Ziele.

Wo man auch hinschaut beim praktischen Einsatz von externen Benchmarks in Mitarbeiterbefragungen, man findet nur nutzlose oder schädliche Verwendungen.
 

Externe Benchmarks zeigen Maßstäbe, die im Innenverhältnis nicht zählen.

Verwunderlich ist das eigentlich nicht. Bei Mitarbeiterbefragungen geht es um die Kultur der Zusammenarbeit. Da zählt der eigene, der interne Maßstab, nämlich was die Menschen im Unternehmen für richtig, wichtig und erstrebenswert halten. Ein externer Maßstab ist unerheblich.
 

Externe Benchmarks haben viele schädliche Nebenwirkungen

Am besten verzichtet man daher bei Mitarbeiterbefragungen auf externe Benchmarks. Wegen des fehlenden Nutzens aber auch wegen der Nebenwirkungen von Benchmarks: 

  1. Benchmarks bekommt man nur dann, wenn man einen definierten Fragebogen verwendet. Die gleichen Fragen müssen ja andere Unternehmen auch schon beantwortet haben. Um die Benchmarks zu bekommen, muss man also darauf verzichten, den Fragebogen an die eigenen Schwerpunktthemen anzupassen. Der Verlust an Individualität wird aber nicht durch den Nutzen aufgewogen, den Benchmarks bieten.
     
  2. Benchmarks kommen zustande durch das, was andere Unternehmen tun. Wenn man sich daran orientiert, ist man immer „Follower“. Wenn man einen innovativen Anspruch an sich hat, können Benchmarks kein Maßstab sein.
     
  3. Die Befragungsunternehmen lassen es sich bezahlen, dass man Benchmarks nutzen kann. Die Benchmarks zehren also am Projektbudget, das eigentlich dafür da ist, dass es zu spürbaren Verbesserungen kommt. Dazu leisten Benchmarks keinen Beitrag.

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